wochentage.blog

🔴🟠🟡🟢🔵🟣⚫⚪

Dienstagmorgen

Eine Stunde vor dem Wecker wache ich mit einem Gefühl der Vorfreude auf, dass sich fast mit einem Geburtstag früher als Kind vergleichen lässt. Draußen hat es geregnet und das Holz meiner Terrasse ist dunkel, nass und glänzt in der Morgensonne. Ich dusche kalt in einer Dusche aus Naturstein und bemerke ein neues Gefühl in mir.

Nach meiner ersten Nacht im Regenwald fühle ich mich auf eine fast animalische Art willkommen geheißen. Als würde der Regenwald sich über das Tier in mir freuen. Nach einer zweistündigen Busfahrt kommen wir am Bootsanleger des Nationalparks an. Auf dem Hinweg lerne ich Martin kennen, der mich an meinem mir bis dahin unbekannten deutschen Akzent erkennt. Ein längliches Motorboot bringt uns zu einer kleinen Siedlung aus schwimmenden Bungalows. Nach der Ankunft haben wir 2 Stunden Zeit bis zur Wanderung durch den Regenwald und gehen im See schwimmen. Dabei unterhalten wir uns mit Nils über den Tauchkurs auf Kho Tao. Es macht mich glücklich, wie einfach die Gespräche über unsere Reisen entstehen. Nach dem Essen fahren wir mit dem gleichen Boot zur Wanderroute. Dort angekommen spüre ich erneut und stärker das Gefühl vom Morgen. Es wirkt, als würde der Regenwald uns beobachten. Als würden hinter jedem Baum ein Paar Augen darauf warten, dass wir in eine andere Richtung gucken. Aber nicht auf eine bösartige, sondern eine neugierige, wohlwollende Art und Weise. Später lerne ich, dass die indigenen Bewohner des Regenwalds diesen nicht als Ort, sondern als Akteur sehen. Zurück am Boot frage ich eine deutsche Frau, wie Ihr die Wanderung gefallen hat. Völlig unbeeindruckt sagt sie, dass ihr das Ziel gefehlt hat. Lachend erwidere ich, dass der Weg das Ziel war. Sie reagiert nicht. Als ich ins Boot steige, zündet sie sich eine Zigarette an. Ich bin fassungslos, lasse mir die Erfahrung dadurch aber bewusst nicht trüben. Später essen wir gemeinsam das Abendbrot auf unserem schwimmenden Zuhause und trinken Bier. Dem Russen bringen wir deutsche Schimpfwörter bei, dem Israeli erklären wir, dass man sich beim Anstoßen in die Augen gucken muss. Das Gefühl des Mensch-seins vom Anfang der Reise überkommt mich erneut. Als ich nachts in meinem Bungalow liege, läuft eine Freudenträne meine Wange herunter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert